Morgengebet

PFINGSTSONNTAG

Daniel Oesterle
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Heute ist Sonntag , der 24. Mai – Pfingstsonntag, der Geburtstag der Kirche! Und darum denke ich heute an die ersten Jüngerinnen und Jünger, die in jenem Obergemach rund um die Uhr beteten, bis der Heilige Geist mit überwältigender Kraft kam und die Initialzündung für ihre Mission bewirkte. Mit Christen auf der ganzen Welt stimme ich dabei in eines der ältesten Gebete der Kirche ein: Maranatha! (Komm, Herr!)*. Und: Veni, Sancte Spiritus – Ruach ha-Kodesch (Komm, Heiliger Geist).

Pause (Ruhe & Innehalten)

Zu Beginn meines Betens an diesem besonderen Tag, lasse ich es ruhig werden in mir. Ich atme langsam und sammle meine zerstreuten Gedanken. Ich mache mir bewusst: Der Heilige Geist ist jetzt hier bei mir.

Vorbereitungsgebet

Halleluja, Vater im Himmel,
  du liebst es, deinen Kindern den Heiligen Geist zu geben, wenn sie darum bitten! (Lukas 11,13)
Halleluja, Herr Jesus Christus,
  du hast uns den Beistand geschickt, der uns nie verlässt! (Johannes 14,16)
Halleluja, Heiliger Geist,
  ich heiße dich jetzt willkommen hier bei mir! (1. Thessalonicher 1,4-6)

Rejoice and Reflect (Freude & Reflektieren)

Das jüdische Pfingstfest zog eine Menschenmenge „aus allen Völkern unter dem Himmel“ (Apg. 2,5, EÜ) nach Jerusalem. Ganze sechzehn verschiedene Ethnien und Sprachgruppen werden in der Apostelgeschichte aufgezählt. Und so entscheide ich mich heute bewusst, mich an Gottes Liebe zu den Nationen der Welt zu freuen, und stimme ein in den uralten Lobpreis des ganzen Gottesvolkes, mit Worten aus Psalm 117:

Alle Nationen, lobt JAHWE!
    All ihr Völker, rühmt ihn!
Denn machtvoll ist seine Gnade über uns,
    und ewig währt die Treue JAHWEs.
Halleluja!
Psalm 117 (NeÜ)

Heute denke ich über die Geschichte des Pfingsttags nach, dem Tag, an dem der lange verheißene Heilige Geist die Initialzündung für die weltweite Ausbreitung der Mission Gottes in Christus bewirkte…

Und so feiern wir heute die Geburt dieser 2.000 Jahre alten, 2 Milliarden Menschen starken, verkorksten und gesegneten, revolutionären Bewegung für Gerechtigkeit und Liebe, die wir die Kirche nennen. Sie ist nicht perfekt. Viele schwere Sünden wurden begangen. Oft ist unser Herz betrübt. Und dennoch bleibt die Gemeinde Christi die größte menschliche Quelle von Segen und Gutem in der Geschichte der Welt: Sie gründet Schulen und Krankenhäuser, speist die Hungrigen und kümmert sich um die Armen, hat die größten Kunstwerke der Geschichte inspiriert, sorgt dafür, dass zerbrochene Familien Heilung finden, Kulturen erlöst und verfeindete Gruppen miteinander versöhnt werden. Sie hat die Grundlagen für wissenschaftlichen Fortschritt und persönliche Entfaltung geschaffen, ganze Zivilisationen geprägt, und vor allen verkündet sie an diesem Pfingstsonntag immer noch jeder Generation dieselbe wunderbare Botschaft von der Rettung für alle Völker durch Jesus Christus, unseren Herrn!

Ask (Bitten)

Jesus, du hast versprochen, dass ich „Kraft empfangen werde, wenn der Heilige Geist auf [mich] kommt“, um Zeuge für deine Auferstehung zu sein (Apostelgeschichte 1,8). Bitte gib mir heute die Gelegenheit, genau das zu tun – dass ich hier, wo ich bin, jemanden auf dich hinweisen kann. Komm, Heiliger Geist!

Ich bete heute für eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes auf deine Kirche, Herr, und ich denke dabei besonders an all jene, die heute mit Wasser und mit der Kraft des Geistes getauft werden sollen. Komm, Heiliger Geist!

Yield (Hingabe)

Heute lese ich nicht dieselben Verse noch einmal, sondern ich lese, wie die Geschichte weitergeht, und achte auf die Reaktion der Menschenmenge, als die Nachfolger Jesu hinaus auf die Straßen Jerusalems stürmten…

Jerusalem war voll von Pilgern aus vielen Nationen, die sich versammelt hatten, um Schawuot, das große Erntefest, zu feiern (vgl. 2. Mose 23,16). Es war sicherlich kein Zufall, dass das auch ein so kraftvolles Bild für die große geistlichen Ernte war, die an diesem Tag begann, als 3.000 Pilger auf die Predigt des Petrus reagierten, indem sie sich taufen ließen (Apostelgeschichte 2,41). „Was auch immer uns erzählt wurde: Pfingsten ist nicht die Geschichte frommer Gläubiger, die sich, im Gebet versunken, in mystischer Verzückung in einem Obergemach versteckten“, sagt Dr. Chris Green, Professor für öffentliche Theologie an der Southeastern University in Florida. „Pfingsten ist die Geschichte von verblüfften Gläubigen, die sich selbst nicht ganz sicher sind, was sie glauben sollen, die aus dem Gebet heraus auf die Straße und in die Öffentlichkeit gefegt werden. Pfingsten ist in diesem Sinne das Ende der Spiritualität – weil der Heilige Geist die Kirche in den öffentlichen Raum drängt, in die öffentliche Verantwortung. Wenn wir dem Geist Gottes folgen, dann führt uns das immer vom Obergemach hinunter und hinaus in die Vorhöfe.“**

Hingabegebet

Herr, ich bitte dich: Sorge dafür, dass die Ernte eingebracht wird! Bringe uns aus unseren Gebetsräumen heraus auf die Plätze der Stadt, aus unseren kirchlichen Veranstaltungen heraus auf die Straße, – aus unserer Schüchternheit heraus, hin zu einem mutigen Bekenntnis deines Evangeliums! Belebe uns, heilige uns, vereinige uns und erfülle uns neu. Setze unsere Herzen wieder in Brand mit der frohen Botschaft deines Evangeliums.

Segenszusage

Und nun mache ich mich bereit, diese Zeit des Gebets mit in den kommenden Tag zu nehmen. Dabei höre ich auf die Zusage des Herrn, der mich liebt, in der Apostelgeschichte: 

Ein Segen für den Sabbat

Möge dieser Tag Sabbatruhe bringen: in mein Herz und in mein Haus.
Möge Gott sein Ebenbild in mir erneuern und meine Vorstellung von ihm mit neuen Bildern füllen.
Möge die Anziehungskraft des Materiellen schwächer werden und das Dahinfliegen der Zeit sich verlangsamen.
Möge ich Frieden finden über den Grenzen meines Lebens in der Gewissheit, dass Gottes unbegrenzte Gnade mich umfängt und hält.
Möge Gottes Wort mich nähren und sein Geist mich führen – hinein in eine neue Woche und bis in die neue Welt.
Amen.***

Originalsprecher: Pete Greig

* Das aramäische Gebet maranatha (מרנאתא‎) setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: maran (Herr) und atha (komm). Es kann entweder „Unser Herr ist gekommen“ oder „Komm, Herr!“ bedeuten. Somit kann es als beides fungieren – als Ausdruck der Freude, das Christus gekommen ist, und auch als Gebet um seine Wiederkunft. Vergleiche 1. Korinther 16,22 und Offenbarung 22,20.

** Dr. Chris Green, https://www.cewgreen.com/.

*** Pete Greig, Sabbath Blessing. Übersetzung: Daniel Oesterle, Sebastian und Stefanie Steinbach

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