Morgengebet

In Schwäche warten

Daniel Oesterle
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Heute ist Mittwoch, der 20. Mai, der sechsundvierzigste Tag der Osterzeit. In dieser Zeit vor Pfingsten denken wir über die Erfahrungen der Jüngerinnen und Jünger Jesu nach, die gemeinsam auf die Ausgießung des Heiligen Geistes warteten. Dabei beten wir mit einigen der Bibelstellen, die wahrscheinlich auch sie vor Augen hatten, während Sie – so wie wir – auf Gottes Geist warteten.

Pause (Ruhe & Innehalten)

Zu Beginn meines Betens lasse ich es ruhig werden in mir. Ich atme langsam und bewusst und sammle meine zerstreuten Gedanken: Gott, du bist hier.

Vorbereitungsgebet

Heiliger Geist, ich warte auf dich, dass du mir Kraft gibst. Verwandle mein Denken, stärke meinen Glauben und lass meine Liebe wachsen, damit ich lebe, wie es Jesus entspricht, und ich allen seine gute Nachricht bringen kann.

Rejoice and Reflect (Freude & Reflektieren)

Ich entscheide mich heute bewusst, mich an Gottes unaufhörlicher Liebe und Güte zu freuen, und stimme ein in den uralten Lobpreis des ganzen Gottesvolkes, mit Worten aus Psalm 89:

HERR, für immer will ich singen von den Beweisen deiner Güte.
    Allen kommenden Generationen soll mein Lied deine Treue verkünden.
„Deine Güte hört niemals auf“, sage ich,
    „deine Treue steht fest wie der Himmel.“
Psalm 89,2-3 (Gute Nachricht)

Heute denke ich weiter über Psalm 40 nach, Davids großes Lied über das Hoffen auf Gott. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Jünger Jesu großen Trost aus diesen Worten schöpften, als sie darauf warteten, dass der Heilige Geist sie erfüllt. Jesus hatte ihnen die Verheißung gegeben, dass sie ihn vor Menschen auf der ganzen Welt bezeugen würden – weshalb dieser nächste Abschnitt für sie besonders bedeutend gewesen sein muss…

Die heutige Lesung gliedert sich in zwei Abschnitte. Im einen spricht David mit überschäumendem Selbstvertrauen davon, die gute Nachricht geteilt zu haben, und dann, in der zweiten Hälfte des Textes, ringt er plötzlich mit Angst und Scham. Auf den ersten Blick erscheint diese Reihenfolge seltsam. Sollten meine negativen Gefühle nicht verschwinden, wenn ich geduldig auf Gott hoffe? Nun, Davids Erfahrung war eine andere, und meine ehrlich gesagt  auch. Bringt der Heilige Geist mir Frieden und Heilung? Ja. Aber nimmt er mir alle negativen Gefühle? Nein. Und die Bibel stellt ihn auch nicht so dar. Vielmehr wird der Heilige Geist als Helfer und Tröster dargestellt, der mir in allen Lebenslagen beisteht (Johannes 14,26).

Selbst nach der mächtigen Begegnung an Pfingsten erlebten die Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus weiterhin schwierige Gefühle – doch das hielt sie nicht davon ab, die gute Nachricht zu verkünden. Gott gebrauchte sie trotz ihrer Schwäche. Der Heilige Geist wirkt auch durch komplizierte Menschen wie sie – wie dich und mich. Diese frohe Botschaft lohnt es sich zu teilen, egal wie wir uns fühlen.

Ask (Bitten)

Lasse ich mich davon abhalten, die gute Nachricht von Jesus zu teilen, wenn ich mich niedergeschlagen oder besorgt fühle? Warte ich, bis ich mich selbstbewusster oder „geordneter“ fühle, bevor ich anderen von Jesus erzähle?

Heiliger Geist, ich bringe dir alle meine Gedanken und Emotionen und danke dir, dass deine Kraft in den Schwachen mächtig ist (2. Korinther 12,9). Ob ich mich schwach fühle oder stark, hilf mir, weiterhin deine Liebe und Macht zu bezeugen.

David ist emotional aufgewühlt, weil seine Sünden ihn eingeholt haben. Kenne ich jemanden, der sich selbst in Schwierigkeiten gebracht hat und heute Gottes Hilfe benötigt?

Heiliger Geist, zeige diesem Menschen deine Barmherzigkeit. Hilf ihm, umzukehren und sich nach dir auszustrecken. Lass ihn deine tiefe Liebe und deinen Trost erfahren und führe ihn ganz ins Leben zurück.

Yield (Hingabe)

Ich lese den Abschnitt noch einmal. Dabei achte ich darauf, welches Wort oder welchen Satz der Heilige Geist mir besonders aufs Herz zu legen scheint…

Ich nehme mir einen Augenblick Zeit, um über die Worte oder Sätze nachzudenken, die der Heilige Geist mir aufs Herz gelegt hat.

Mir fällt auf, wie freimütig David seinen Glauben mit der Welt teilt – so wie es auch die Nachfolger Jesu nach dem Pfingstwunder taten. Und doch habe ich oft Angst, offen darüber zu sprechen, was es heißt, Jesus nachzufolgen. Teils aus der Furcht heraus, abgelehnt zu werden. Teils, weil ich mir Sorgen mache, die falschen Dinge zu sagen.

Aber meine Ängste hindern den Heiligen Geist nicht daran, durch mich zu wirken. Wenn wir die gute Nachricht weitergeben, sagt Jesus im Markus-Evangelium, sollen wir uns „vorher keine Sorgen [machen], was ihr sagen sollt. Sagt einfach das, was euch dann eingegeben wird. Denn nicht ihr seid dann die Redenden, sondern der Heilige Geist“ (Markus 13,11, NeÜ). Mag sein, dass ich nervös bin. Vielleicht klingen meine Worte nicht besonders beeindruckend. Das ist egal. Es geht darum, dass ich meinen Mund aufmache und den Heiligen Geist durch mich sprechen lasse.

Hingabegebet

Jesus, egal wie ich mich heute fühle, ich will meinen Mund öffnen und anderen von dir erzählen.

Segenszusage

Und nun mache ich mich bereit, diese Zeit des Gebets in den kommenden Tag mitzunehmen. Dabei höre ich, wie der Herr, der mich liebt, mir in Jesaja sagt:

Schlussgebet

Vater, hilf mir, diesen Tag mit ganzem Herzen zu leben
und dir in jeder Hinsicht treu zu sein.
Jesus, hilf mir, mich an andere zu verschenken
und jedem Menschen freundlich zu begegnen.
Heiliger Geist, hilf mir, die Verlorenen zu lieben,
und Christus zu bezeugen in allem, was ich tue und sage.
Amen.

Originalsprecher: Izwe Nkosi

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