Morgengebet

James Hudson Taylor – Held der Mission

Daniel Oesterle
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Heute ist Donnerstag, der 21. Mai, der Gedenktag von James Hudson Taylor, einem der „wichtigsten und einflussreichsten Missionare aller Zeiten“*, der an diesem Tag im Jahr 1832 geboren wurde. An Gedenktagen unterbrechen wir unseren üblichen Rhythmus, um die Geschichten von Helden des Glaubens zu feiern und aus dem Leben dieser Menschen zu lernen, deren gemeinsames Zeugnis die sechs Grundhaltungen hinter Lectio 365 verkörpert. Diese sind: Gebet und Kreativität, Gerechtigkeit und Gastfreundschaft, Lernen und Mission. Deshalb danken wir Gott heute für das Leben und das außergewöhnliche Vorbild von Hudson Taylor, einem Pionier und Helden der Mission und des Gebets.

Pause (Ruhe & Innehalten)

Zu Beginn meines Betens lasse ich es ruhig werden in mir. Ich atme langsam und bewusst und sammle meine zerstreuten Gedanken: Gott, du bist hier.

Vorbereitungsgebet

Gott der Rettung und Wiederherstellung, ich danke dir für deine große und wunderschöne Mission in dieser Welt. Hier bin ich, Herr, erfülle mich mit deinem Geist und sende mich.

Rejoice and Reflect (Freude & Reflektieren)

Ich entscheide mich heute bewusst, meine Freude mit einem von Hudson Taylors Lieblingspsalmen auszudrücken. Inmitten ständiger Prüfungen klammerte er sich an diese zeitlosen Worte des Vertrauens und des Lobpreises aus Psalm 84…

Ja, besser ist ein einziger Tag in deinen Höfen
als tausend andere.
Lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes
als wohnen in den Zelten der Frevler.
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild.
Der HERR schenkt Gnade und Herrlichkeit.
Nicht versagt er Gutes denen,
die rechtschaffen wandeln.
HERR der Heerscharen,
selig der Mensch, der auf dich sein Vertrauen setzt!
Psalm 84,11-13 (EÜ)

James Hudson Taylor, der an diesem Tag im Jahr 1832 geboren wurde, wuchs in einem christlichen Elternhaus in Yorkshire in England auf. In seinen frühen Teenagerjahren begann er allerdings an dem Glauben seiner Familie zu zweifeln – bis ihm im Alter von siebzehn Jahren, als er eines schicksalhaften Tages allein in der Bibliothek seines Vaters war, ein evangelistisches Traktat in die Hände fiel. In diesem Moment verspürte seine Mutter, die etwa 120 Kilometer weit weg war, eine plötzliche, intensive Last, für die Bekehrung ihres Sohnes zu beten. Beim Lesen dieses einfachen Traktats wurde Hudson Taylor seiner Sünden überführt, er  fiel auf die Knie und nahm Christus als seinen Erlöser an. Wie er später berichtete: „Es war, als ob ein Licht in meine Seele durchzuckte“,** und „sogleich entstand in meiner Seele der Eindruck, dass es in China war, wo der Herr mich haben wollte.“*** Erst später erfuhr er, dass sein Vater Jahre vor seiner Geburt so „tief bewegt über den geistlichen Zustand Chinas“ gewesen war, dass er den Drang verspürte, „zu beten, dass, wenn Gott ihm einen Sohn geben würde, er berufen werden möge… um [in diesem Land] zu arbeiten“.****

Hudson Taylors Leben war zutiefst von den Gebeten seiner Eltern geprägt worden. Aber als er sich nun darauf vorbereitete, auf die andere Seite der Welt zu reisen, um das Evangelium in einer ganz anderen Kultur weiterzugeben, beschloss er, sein eigenes Gebetsleben zu vertiefen. Er schreibt darüber:

Ich dachte mir: „Wenn ich nach China komme, werde ich keinen Anspruch gegen irgendjemanden auf irgendetwas haben; ich werde alles allein von Gott erwarten. Wie wichtig ist es da, dass ich, bevor ich England verlasse, es lerne, den Menschen allein im Gebet, durch Gott, zu bewegen.“*****

Ask (Bitten)

Vertraue ich zu sehr auf meine eigene Kraft, um Dinge zu lösen? Verlasse ich mich zu sehr auf die Gebete anderer Menschen?

Herr, danke für die schwierigen Umstände, die du derzeit benutzt, um mich auf die Knie zu bringen. Es funktioniert! Bitte stärke meinen Glauben, stärke meine geistlichen Muskeln und lehre mich, wie du Hudson Taylor gelehrt hast, die Herzen und Hände der Menschen einzig und allein durch das Gebet zu dir zu bewegen.

Ich bin besonders beeindruckt von dem Einfluss, den betende Eltern auf ein Leben haben, und ich bemerke, wie die Gebete von Hudson Taylors Mutter sofort ihre Wirkung entfalteten, und die Gebete seines Vaters hingegen siebzehn Jahre brauchten, bis sie erhört wurden. Und so bete ich jetzt, vielleicht mit etwas mehr Glauben als sonst, für jemanden aus meiner eigenen Familie.

Yield (Hingabe)

Nur vier Jahre nach seiner Bekehrung segelte Hudson Taylor im Alter von 21 Jahren los in Richtung Shanghai und kam sechs Monate später dort an – inmitten des tödlichen Taiping-Aufstandes. Taylor war völlig auf Gottes Versorgung angewiesen. Trotz vielem Widerstand, Unruhen, häufiger Gesundheitsprobleme und knapper Finanzen setzte er alles daran, das Evangelium in bisher unerreichte Teile Chinas zu bringen. 1858 heiratete er Maria Dyer, die Tochter einer anderen Missionarsfamilie, aber zwei Jahre später mussten sie müde und geschwächt nach England zurückkehren.

Die Aufgabe, das chinesische Hinterland mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen, war immens. Es schien unmöglich. Aber in England kam Taylor zu der tiefen Überzeugung, dass dies Gottes Mission war und nicht seine. Diese Offenbarung veränderte alles und er begann, mit frischem Glauben um Arbeiter für die Ernte zu beten (Matthäus 9,37–38), die sich mit ihm zusammentun würden. Schließlich gründete Hudson Taylor 1865 die China-Inland-Mission (CIM) und kehrte mit Maria und sechzehn weiteren Missionarinnen und Missionaren nach China zurück. Hunderte weitere sollten in den kommenden Jahren folgen, als die Arbeit von CIM stetig wuchs. Trotz der Kritik vieler Leute aus dem Westen, bemühten sie sich, die örtlichen Gepflogenheiten zu ehren, indem sie traditionelle chinesische Gewänder trugen und ihre Haare wachsen ließen und zu Pferdeschwänzen zusammenbanden. Ihr Ziel war es, indigene Kirchen unter der Führung lokaler chinesischer Christen zu gründen. Es wird geschätzt, dass CIM mindestens 20.000 Menschen zu Christus führte und diesen Jüngern vorlebte, was es heißt, treu für das Evangelium zu leiden.****** Nach einem Leben im Dienst seiner Mitmenschen, trotz Leiden und herzzerreißendem persönlichen Verlust, konnte Hudson Taylor sagen:

„Ich habe die Heilige Schrift erprobt. Und ich wurde gewiss nie enttäuscht. Ich habe mein Vertrauen in ihre Verheißungen nie bereuen müssen oder es bedauert, ihren Weisungen gefolgt zu sein.“*******

Viele Jahre später, als China nach der kommunistischen Revolution seine Grenzen für Ausländer schloss, wuchsen die von der China-Inland-Mission gegründeten Kirchen ohne die Anwesenheit westlicher Missionare weiter. Die CIM, inzwischen umbenannt in „Overseas Missionary Fellowship“, begann ihre Tätigkeit in anderen Teilen Ostasiens und heute, 161 Jahre nach ihrer Gründung, gibt es 1.400 OMF-Mitarbeiter aus 40 Nationen, die Milliarden von Menschen in Ostasien dienen. ********

Hingabegebet

Hudson Taylor kannte das Geheimnis dessen, was es heißt, voll und ganz auf Gott zu vertrauen. Was er erlebte spiegelte das wieder, was auch ein Kirchenlied ausdrückt, das er kannte und liebte:

O Herr, wie glücklich wären wir
wenn wir uns nur auf dich verließen,
befählen uns in deine Händ’,
und innewürden, dass dort oben,
nach seinem liebevollen Plan,
einer es zum Besten wend’t!*********

Herr, ich lege dir heute alle meine Sorgen und Ängste hin. Ich widme mein Leben neu deinen Absichten und setze mein Vertrauen und meine Hoffnung auf dich, in dem Wissen, dass dein Weg, auch wenn er schmal sein mag, derjenige ist, der zu Freude und Leben führt.

Segenszusage

Und nun mache ich mich bereit, diese Zeit des Gebets mit in den kommenden Tag zu nehmen. Dabei höre ich auf die Zusage des Herrn, der mich liebt, im Epheserbrief:

Schlussgebet

Vater, hilf mir, diesen Tag mit ganzem Herzen zu leben
und dir in jeder Hinsicht treu zu sein.
Jesus, hilf mir, mich an andere zu verschenken
und jedem Menschen freundlich zu begegnen.
Heiliger Geist, hilf mir, die Verlorenen zu lieben,
und Christus zu bezeugen in allem, was ich tue und sage.
Amen.

Originalsprecher: Pete Greig

* Ralph R. Covell, „J. Hudson Taylor”, Biographical Dictionary of Chinese Christianity, https://www.bdcconline.net/en/stories/taylor-james-hudson.

** Dr. and Mrs. Howard Taylor, J. Hudson Taylor in Early Years – The Growth of a Soul, PART II, Kapitel 7–11 (Hodder and Stoughton, China Inland Mission, MCMXII).

*** J. Hudson Taylor, A Retrospect. https://www.gutenberg.org/cache/epub/26744/pg26744-images.html#Page_8.

**** ebd. https://www.gutenberg.org/cache/epub/26744/pg26744-images.html#Page_2.

***** ebd. https://www.gutenberg.org/cache/epub/26744/pg26744-images.html#Page_14.

****** „160 Years of Gospel Mission: How Hudson Taylor’s Vision Continues Through OMF”, https://omf.org/160-years-of-gospel-mission-how-hudson-taylors-vision-continues-through-omf/.

******* ebd. https://www.gutenberg.org/cache/epub/26744/pg26744-images.html#Page_4.

******** https://omf.org.

********* Joseph Anstice, „O Lord How Happy Should We Be“ (1836). Zitiert von Hudson Taylor in seiner Autobiographie und hier frei übersetzt. Den ganzen Liedtext findest du unter: https://hymnary.org/text/o_lord_how_happy_should_we_be.

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